2012 - SLO Deutschland e.V.

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2012

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13. Jahrestreffen des SLO Deutschland e.V.
in Duderstadt
vom 02.11. bis zum 04.11.2012
- Randnotizen

Nach einem Jahr “Auszeit” trafen wir uns zum Jahrestreffen 2012 am ersten Novemberwochenende wieder im Kolpingferienhaus Duderstadt, welches mittlerweile schon fast zu einer zweiten Heimat geworden ist. Insbesondere für unsere Kinder sind es die bereits bekannten Räumlichkeiten, die Umgebung des Hauses und somit war von Beginn an der familiäre Charakter der SLO-Gemeinschaft Programm.
Für die so genannten alten Bekannten und Freunde war es ein herzliches Wiedersehen mit einer innigen Umarmung, einem kräftigen Händedruck und einem frohen - aus innerstem Herzen kommenden - Hallo!
Wie geht’s Dir / Euch war nicht nur eine Floskel oder Worthülse der Begrüßung, sondern ehrliches Interesse, Mitgefühl und Verständnis an der jüngsten Entwicklung unserer Kinder und dem familiären Umfeld.
Natürlich standen die positiven Highlights im Vordergrund und so manches Kind aus 2011 war zu einem Jugendlichen oder gar jungen Heranwachsenden in 2012 gereift.
Besonders bzw. beispielhaft sollen hier nur Clemens Pankau und Anne Fahrenkamp genannt werden, die wahre Quantensprünge innerhalb eines Jahres vollzogen haben.

Heimliche Stars dieses Jahrestreffens aber waren unsere beiden jüngsten Mitglieder und nach wenigen Augenblicken der  Zurückhaltung wurden sie herzlich in die Familie integriert und durften sich schon nach kurzer Zeit hoffentlich so wohl fühlen, dass diese neue Generation den Fortbestand der SLO Gemeinde sichern wird.
Viele von den “alten Hasen” meinten sich schlagartig an die eigenen Anfänge erinnert und dachten insgeheim an so manch beschwerlichen Weg, den die jungen Familien noch vor sich haben werden. Gleichzeitig aber sei an dieser Stelle erwähnt, dass sie diesen Weg nicht alleine zu gehen brauchen und jeglicher Rat sollte, ja sogar muss ihnen von den erfahrenen Eltern zur Verfügung stehen.

Auch wenn es für viele ein langer und anstrengender Reisetag war, trafen wir uns im Cafe des Kolpingheimes und sehr schnell wurde unsere Gemeinschaft durch das Zusammenstellen von Tischen  zu einer ganz besonderen Tafelrunde.



Der Samstagvormittag war wieder in gewohnter Art und Weise unserer internen Aus- bzw. Weiterbildung gewidmet. So waren in diesem Jahr wieder zwei äußerst interessante Themenbereiche auf der Agenda, die für unsere Kinder - und damit natürlich in gleicher Weise für uns Eltern - sehr interessant und von großer Bedeutung sind.
Aus dem medizinischen Bereich hatte “unser” Professor Dr. Mohnike aus Magdeburg seine derzeitige Doktorandin Frau Dörthe Bosse entsandt, die sich in ihren aktuellen Studien der sprachlichen Entwicklung bzw. den Defiziten im Zusammenhang mit dem SLOS intensiv widmet. Unverkennbar prägt ihre Forschungsarbeit schon jetzt auch die Handschrift ihres Doktorvaters, was die Akribie und Korrektheit der Studie anbelangt. Dieser Themenkomplex scheint ihr auf den Leib geschneidert zu sein, was nicht zuletzt ihrer vorhergehenden Berufsausbildung und -ausübung als Logopädin geschuldet ist. Bereits im Vorfeld dieses Treffens war ein umfangreicher und mit detaillierten Fragen versehener Erfassungsbogen des Status quo unserer Kinder in Umlauf gegeben worden. Die Eltern waren nun in die Pflicht genommen worden, so konkret als möglich ihre eigenen Feststellungen zu Papier zu bringen und die wesentlichen Fakten der Artikulationsdefizite zu erfassen. Schon jetzt kann hierzu festgestellt werden, dass zweifelsfrei ein Zusammenhang gegeben ist, der je nach Intensität des SLOS eine mehr oder weniger erhebliche Beeinträchtigung der Sprache, des Sprachverständnisses und auch des Hörvermögens darstellt. Der Focus dieser Studie ist ausschließlich auf den Gebrauch der Lautsprache orientiert. Frau Bosse erklärte in anschaulicher Weise das vorhandene Fundament ihrer Arbeit und die angestrebten Ziele ihrer Forschungstätigkeit. Alle Anwesenden signalisierten ihr die umfassende Unterstützung hinsichtlich der Erkenntnisse am “’lebenden Objekt”. Spätestens mit dem Prädikat “summa cum laude” werden dann sicher an einem unserer Treffen die Sektkorken knallen.
Mit Wehmut von vielen Seiten wurden die Entschuldigungen von Professor Dr. Mohnike und Frau Dr. Haas vernommen, da beide doch im Laufe der Jahre zum festen Bestandteil der Wochenenden wurden und stets willkommene, kompetente Ansprechpartner mit profundem Wissen waren und sind. Aber es war durchaus verständlich, dass Professor Mohnike einen anderen wichtigen Termin wahrnehmen musste und Frau Dr. Haas krankheitsbedingt nicht anreisen konnte. Umso größer wird dann eben die Wiedersehensfreude im nächsten Jahr sein!, sind beide doch unsere “Familienmitglieder“!!

Ebenso brennend interessiert waren wir über  die Ausführungen des Rechtsanwaltes H. Andreas Kaatz aus Berlin, mit dessen Person einer der namhaftesten Experten Deutschlands zum Thema Erbrecht und hier im speziellen das Behindertentestament gewonnen werden konnte. Sehr anschaulich und verständlich erläuterte er die rechtlichen Grundlagen des BGB sowie der Sozialgesetzgebung, welche für eine finanziell abgesicherte Zukunft unserer Kinder im Erbfalle sorgen können. Da unser eigener irdischer Weg früher oder später zu Ende gehen wird, ist es niemals zu früh, die Besitzverhältnisse zu regeln und hierbei das Wohl unserer Kinder in den Vordergrund zu stellen, um ihnen in aller Zukunft ein eigenes “lebenswertes” Dasein zu ermöglichen. Vordergründig muss hierbei die gesetzliche Erbfolgeregelung außer Kraft gesetzt werden, was unweigerlich ein speziell gestaltetes Behindertentestament zur Folge hat. Die vorgeschriebenen Normen der Ausgestaltung, der Aufbewahrung bis hin zur Eröffnung wurden von ihm detailliert erklärt. Immer wieder wurde die Individualität einer solchen rechtlichen Verfügung in den Vordergrund gestellt, so dass auch im Internet oder anderweitig verfügbare Muster oder Exemplare nur wenig Sinn machen. Dort sind allenfalls allgemein gehaltene Passagen beinhaltet, welche ggfs. einen Streitfall hervorrufen und nur selten zu einer Klärung oder einvernehmlichen Lösung führen können.
Mit diesem Appell und seinem Angebot, solche Testamente für den Einzelnen zu erstellen, erntete er ein Höchstmaß an Dank für sein Kommen und seine Erläuterungen.

Trotz wenig einladender Wetterbedingungen folgten doch einige Familien der Tagesordnung, die für den Samstagnachmittag eine Exkursion nach Gut Herbigshagen vorgesehen hatte, um dort auf die Spuren des unvergessen Tierfilmers Heinz Sielmann zu treffen. Kinder aus der Großstadt können hier feststellen, dass nicht alle Kühe einen lila Farbanstrich haben und das Fleisch nicht in einer Kühltruhe nachwächst. Einen süßen Ausklang fand dieser Biologieunterricht dann im Cafe des Gutshofes, wo wir nach kurzen Spaziergängen im Gelände in der warmen Stube bei Kaffee und Kuchen diesen TOP ausklingen ließen.

Die abendliche Runde traf sich dann wieder an der großen Tafel im Salon der Ferieneinrichtung, um dort - vom Dialog bis hin zu Gruppendiskussionen - nicht nur die Erfahrungen des Tages, sonder auch Althergebrachtes auszutauschen. Fotos machten die Runde, Salzstangen- und Chiptüten kreisten, der Gang zur Theke wiederholte sich.

Sonntagvormittag trafen wir uns dann zur jährlichen Vereinsversammlung, um den Pflichten der Satzung zu genügen, Aktuelles zu besprechen sowie einen Ausblick in die nahe Zukunft zu wagen. Fast schon Routine - aber immer wieder mit dem größten Respekt und aller Hochachtung versehen - wurde die Vorstandschaft entlastet und weiterhin im Amt bestätigt. Im Besonderen galt unsere Anerkennung neben der Vorsitzenden Petra Robbin der Schriftführerin Friederike von Hofe sowie unserer Kassenwartin Ines Fahrenkamp, der nach Prüfung der Unterlagen eine bravouröse und vorbildliche Buchführung bescheinigt wurde. Da sie diese Finanzen in gleichem Masse wie ihr Eigentum behandelt, würde unser Verein von Ratingagenturen vermutlich mit A+++
(triple A) eingestuft werden.

Der Ausblick war in erster Linie auf das Treffen im nächsten Jahr gerichtet und Petra hatte schon im Terminer für 2013 unser Treffen im November mit grellem Textmarker gekennzeichnet.

Abschließend muss noch die Unterbringung, das hotelgleiche Ambiente und die vorzügliche Küche dieser Kolping Ferieneinrichtung erwähnt werden. Da ich das Glück hatte, mit Familie Pankau im Speisesaal an einem Tisch zu sitzen, lernte ich den viel sagenden und ausdrucksstarken Begriff “Alles Lecker” in seiner Gesamtheit kennen und bin der Meinung, mit diesem “alles lecker” ist unsere Bewunderung für die “Zauberer” der Küche und den perfekten Service zum Ausdruck gebracht.

Die Abschiedsszenen waren ebenso herzlich wie auch frohgelaunt, beinhalteten sie doch von allen die Aussage:
“Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!!! Machs Gut!!! Und vor allem: Bleibt gesund!!!”


Carpe diem
Gerhard Laßleben


 
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